Traumabezogene Spieltherapie für Mädchen
(3-12 Jahre)

Traumabezogene Spieltherapie unterstützt Mädchen bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen. Anders als bei uns Erwachsenen, wo das Gespräch oft im Mittelpunkt der Verarbeitung steht, nutzen Mädchen das Spiel als Mittel, sich selbst und auch all ihre Fragen, Sorgen und Probleme darzustellen, auszudrücken und mitzuteilen. In der Spieltherapie wird diese angeborene kindliche Fähigkeit zum freien Spiel genutzt und gefördert. Mädchen erobern sich spielerisch ihre Welt. Sie machen sich im Spiel verständlich und sammeln wesentliche Erfahrungen im Spiel.

Die konkreten Ziele in der traumabezogenen Arbeit müssen individuell mit jedem einzelnen Mädchen erarbeitet werden. Ein grundlegendes Ziel gilt jedoch für alle Mädchen, die zu uns in Therapie kommen. Wir wollen ihnen im therapeutischen Spiel heilende und korrigierende Beziehungserfahrungen ermöglichen.

Eine Spieltherapie kann 1-2 Jahre oder auch länger dauern und findet in der Regel einmal wöchentlich für eine Stunde statt. Begleitend dazu gibt es regelmäßige Gespräche mit den Bezugspersonen des Mädchens. Auch wenn die Bezugspersonen und manchmal auch die Mädchen sich wünschen, dass so schnell wie möglich alle unangenehmen Gefühle und belastenden Symptome verschwinden, ist es wichtig zu wissen, dass die kindliche Seele Zeit braucht, die traumatischen Erlebnisse in ihrem ganz eigenen Tempo zu verarbeiten. So ist es zu Beginn der therapeutischen Arbeit erst einmal wichtig, in Ruhe Vertrauen und eine haltgebende Beziehung aufzubauen. Nur auf diesem Hintergrund kann eine Bearbeitung der Traumatisierungen überhaupt stattfinden. Es ist nicht hilfreich und sinnvoll, Mädchen ausschließlich auf ihre erlebten Gewalterfahrungen zu reduzieren. Daher geht es auch in einer traumabezogenen Spieltherapie keineswegs nur um „das Trauma“ oder die „sexuelle Gewalt“, vielmehr dürfen alle Sorgen, Fragen und Themen des Mädchens dort Raum haben.

Wichtige Themen und Inhalte der traumabezogenen Spieltherapie sind meistens die gestörte Bindungsentwicklung der Mädchen, vor allem dann wenn sie sexualisierte Gewalt durch eine nahe Bezugsperson erlebt haben. Hier kann die korrigierende therapeutische Beziehungserfahrung heilend wirken. Darüber hinaus ist es grundlegend wichtig, gute innere Instanzen aufzubauen, um Mädchen das Erleben von Sicherheit zu ermöglichen, das dem Erleben von absoluter Hilflosigkeit während des Traumas ausgleichend entgegenwirkt. Besonders sexualisierte Gewalterfahrungen durch nahe Bezugspersonen haben starre seelische Spaltungen in „Gut und Böse“ zur Folge, die therapeutisch bearbeitet werden sollten. Gewalterfahrungen sind Grenzüberschreitungen, die es Mädchen schwer machen, ein Gefühl für die eigenen Grenzen zu entwickeln und ein Recht auf eigenen Grenzen. Daher stellt auch der Aufbau von Grenzen ein wichtiges Therapieziel dar.