Was ist ein Trauma?


Wie kann Traumatherapie helfen?



Was ist ein Trauma?

Der Begriff Trauma wird sowohl in der Medizin als auch in der Psychologie verwendet. Gemeint ist damit eine Wunde oder Verletzung durch äußere Gewaltanwendung bzw. eine Verwundung der Psyche durch einen seelischen Schock.
Die WHO definiert Trauma als „… ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes (kurz- oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verstörung hervorrufen würde.“

Viele Ereignisse können traumatische Reaktionen auslösen, aber nicht alles Belastende ist ein Trauma. Ob ein Ereignis eine traumatische Reaktion hervorruft oder nicht, ist davon abhängig, wie die Person das Ereignis erlebt hat. Unter dem Begriff traumatische Erfahrung ist eine Situation von seelischer oder körperlicher Todesnähe zu verstehen, in der man sich extrem ohnmächtig und ausgeliefert fühlt. Fast alle Menschen schützen sich instinktiv während des traumatischen Ereignisses mit Hilfe eines Mechanismus, der Dissoziation genannt wird. Mit diesem Schutzmechanismus ist unsere Seele in der Lage verschiedene Bereiche des Erlebens, wie z. B. Handeln und Fühlen, voneinander zu trennen.

Ein Trauma stellt immer einen Anschlag auf die Identität des Menschen dar und kann vielfältige Folgen haben, wie z. B. Durcheinandersein, Schmerzen, nichts fühlen oder spüren können. Viele Menschen haben nach einem traumatischen Erlebnis immer wieder eine Flut von Bildern, Gefühlen und Gedanken, in denen sie das Geschehen erneut erleben. Alle Menschen brauchen Zeit, um solche Erfahrungen zu verarbeiten, mit ihnen fertig zu werden.

Wenn traumatische Erfahrungen nicht verarbeitet werden können, verselbständigen sich die entwickelten Schutzmechanismen und es können vielfältige Störungen entstehen, wie z. B. die Posttraumatische Belastungsstörung, depressive Störungen, Suchterkrankungen, Angststörungen, Dissoziative Störungen. Hier kann Traumatherapie helfen.

 

 



Wie kann Traumatherapie helfen?

Traumatherapie ist eine spezielle Therapiemethode, mit der traumatische Erfahrungen bearbeitet werden können, um Traumafolgestörungen zu lindern oder zu heilen. Sie umfasst vier Stadien der Traumabehandlung:

Stabilisierung
Im ersten Stadium der Stabilisierung geht es darum, äußere Sicherheit herzustellen, d.h. dafür zu sorgen, dass keine weiteren Traumatisierungen mehr stattfinden. Gleichzeitig kann die Klientin Techniken erlernen, die sie dabei unterstützen, ein Gefühl von innerer Sicherheit herzustellen und ihre Gefühle zu regulieren.

Distanzierung von Traumamaterial
In dieser Therapiephase kann die Klientin lernen, unangenehme Gefühle und Wahrnehmungen sowie belastende Erinnerungen vorübergehend zu distanzieren, um sie später gezielt bearbeiten zu können. Es geht aber ebenso darum, die eigenen Bewältigungsmuster und Ressourcen zu akzeptieren und eventuell zu verändern oder weiterzuentwickeln.

Traumadurcharbeitung
Der Traumadurcharbeitung wird oft eine zu große Bedeutung beigemessen. Über 90% der Traumabehandlung umfasst die Phasen 1 und 2. Erst wenn die Klientin in der Lage ist, sich selbst zu beruhigen und zu trösten, wenn sie fähig ist belastende Gefühle auszuhalten, ohne zu dissoziieren und wenn sie keinen Täterkontakt hat, sollte eine Traumabearbeitung durchgeführt werden.
Eine traumatische Erfahrung lässt sich nicht löschen oder ungeschehen machen. Ein Trauma geht nicht weg. Das wichtigste, was unsere Seele und unser Körper lernen können, ist: „Es ist vorbei!“. Mit Hilfe der Traumabearbeitung ist es möglich, die Erfahrungen so zu verarbeiten, dass sie kontrollierbar, aushaltbar werden und nicht eine ständige belastende Erinnerung bleiben, die das ganze Leben beeinflussen und beeinträchtigen.

Integration und Trauerarbeit
In dieser Phase geht es darum, die eigene Geschichte anzunehmen und zu integrieren, wobei oftmals die Trauer über das, was geschehen ist sowie Sinnfragen, Raum und Zeit brauchen. Darüber hinaus ist es wichtig auch für den Neubeginn im Alltag noch eine therapeutische Unterstützung zu haben.