Prävention ist Aufklärung und Erziehung
zur körperlichen und sexuellen Selbstbestimmung

Prävention ist dringend nötig,
denn Kinder sind in keinem Alter vor sexualisierter Gewalt sicher.

Prävention ist stärkend
und umfasst die folgenden Aspekte

  • Meine Gefühle sind richtig und wichtig
  • Mein Körper gehört mir
  • Nein-Sagen ist erlaubt
  • Gute und schlechte Geheimnisse
  • Typisch Mädchen – typisch Junge
  • Wie hole ich mir Hilfe?


Prävention heißt Verantwortung zu übernehmen.
Die Verantwortung dafür, ob sexualisierte Gewalt stattfindet oder ob sie verhindert wird, liegt nicht bei den betroffenen Mädchen und Jungen. Es liegt in unserer Verantwortung als Erwachsene, Mädchen und Jungen zu stärken, zu schützen, sie ernstzunehmen und ihnen zu glauben.

Das Hauptanliegen von Präventionsarbeit ist es, die Widerstandsfähigkeit und Autonomie von Mädchen und Jungen zu fördern sowie ihre Selbstachtung und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu stärken. Es ist wichtig, dass wir Erwachsene sie darin bestärken, ihre Gefühle ernst zu nehmen und auszudrücken. Denn Gefühle sind Signale und bieten Orientierung. Der inneren Stimme zu vertrauen heißt Zutrauen zu sich selbst zu haben und handlungsfähig zu sein. Mädchen und Jungen, deren Rechte und Grenzen von uns Erwachsenen im Alltag akzeptiert werden, haben weniger Ängste und sind selbstbewusster.

Dies kann nur gelingen, wenn wir als Erwachsene Mädchen und Jungen grundsätzlich mit einer solchen Erziehungshaltung begegnen. Wirkung können wir nur erzielen, wenn wir Kindern unsere Haltung glaubhaft vermitteln können, d. h. wenn diese Grundsätze im Alltag auch wirklich gelten. Kinder nehmen uns beim Wort. Sie überprüfen kritisch, ob das, was wir ihnen vermitteln, nur Worthülsen sind oder ob wir mit unserer ganzen Person dahinter stehen. Im Alltag heißt das, Kinder zu unbequemen Kindern zu erziehen. Kinder, die mit einem Gefühl für ihre Rechte und Grenzen aufwachsen, deren Nein akzeptiert wird, auch von Erwachsenen, sind selbstbewusster und handlungsfähiger und haben größere Chancen, sich Hilfe zu holen, wenn sie allein nicht mehr weiter wissen. Für uns als Erwachsene ist es eine echte Herausforderung, denn unbequeme Kinder bedeuten eine ziemliche Anstrengung.

Nicht umsonst richtet sich Präventionsarbeit deshalb auch an Erwachsene, denn als Erwachsene haben wir eine wichtige Vorbildfunktion. Das heißt, dass wir als erstes uns selbst fragen müssen, nach unserem Verhalten, unseren Vorstellungen, nach unserem eigenen Selbstbestimmungsrecht. Nehmen wir uns selbst ernst? Sind wird in der Lage, klare Grenzen zu setzen, Gefühle zuzulassen, uns anderen mitzuteilen und Hilfe anzunehmen? Leben wir das, was wir Kindern vermitteln wollen? Sicherlich können wir das nicht für jede Situation in unserem Leben bejahen, aber um Perfektion soll es auch nicht gehen. Wenn wir Erwachsene auf dem Weg sind zu leben, an was wir glauben, dann ist das die beste Grundlage, Mädchen und Jungen diese Haltungen überzeugend zu vermitteln.

Emanzipatorische Präventionsarbeit lässt sich nicht auf Verhaltensregeln reduzieren.
Vielmehr bedeutet sie eine kontinuierliche Erziehungshaltung. Daher umfasst unsere Präventionsarbeit verschiedene Angebote, die sich sowohl an Mädchen und Jungen richten als auch an Erwachsene:

  • Fortbildungen für LehreInnen und ErzieherInnen zum Thema „sexualisierte Gewalt und Prävention“
  • Durchführung von Elternabenden
  • Arbeitsmaterialien für Schulen zum Thema sexuelles Selbstbestimmungsrecht und sexualisierte Gewalt und Prävention
  • Präventionsprojekte für Grundschulen
  • Präventionsmädchenveranstaltungen in der Beratungsstelle

Kinder lernen durch Vorbilder und durch Wiederholung.
Wenn Sie möchten, dass die von Ihnen vermittelten Inhalte für die Kinder selbstverständlich werden, dann bieten Sie nicht nur eine einzelne Präventionseinheit an, sondern beziehen Prävention als Erziehungshaltung und in Form von wiederkehrenden Übungen regelmäßig in den Erziehungshaltung oder den Unterricht ein.


Was brauchen Sie als LehrerIn oder ErzieherIn als Vorbereitung für Präventionsarbeit?
Wir möchten, dass Sie sich so sicher wie möglich fühlen, wenn Sie mit Mädchen und Jungen präventiv arbeiten. Wir Erwachsenen bekommen Sicherheit oft durch Wissen. Sie sollten sich also fachlich mit den Themen körperliches und sexuelles Selbstbestimmungsrecht, sexualisierte Gewalt und Prävention auseinandersetzen. Sie werden jetzt vielleicht sagen, das ist doch selbstverständlich. So selbstverständlich wie es für Sie als PädagogIn ist, sich fachlich mit einem Thema auseinanderzusetzen, so selbstverständlich und notwenig finden wir Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle es, sich emotional mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Denn auch eine emotionale Beschäftigung vermittelt Sicherheit. Wir möchten Sie anregen und ermutigen, sich mit Ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Dies ist sinnvoll bevor Sie mit Mädchen und Jungen arbeiten, denn mit den eigenen Gefühlen in Gegenwart anderer konfrontiert zu sein, ist nicht immer angenehm und führt oft zu einer Verunsicherung.
Sie möchten wissen, wie wir uns eine solche Auseinandersetzung vorstellen? Wenn Sie sich fachlich mit den Themen beschäftigen, lassen Sie Ihre Gefühle nicht außen vor, sondern geben Ihnen Raum. Stellen Sie sich vor, wie es für Sie sein wird mit Kindern über Gefühle, Körper, Berührungen, Nein-Sagen zu sprechen. Was löst das in Ihnen aus? Setzen Sie sich mit ihrem eigenen Selbstverständnis auseinander, denn „Nein heißt Nein!“. Drei kleine Worte, hinter denen sich viel verbirgt. Bin ich bereit, persönliche Grenzen von Mädchen und Jungen zu akzeptieren und praktisch umzusetzen, was ich vermitteln will? Eine sichere fachliche und emotionale Grundlage bewahrt Sie davor, bei Nachfragen der Kinder unsicher zu werden.

Sie möchten sich nicht alleine mit diesen Themen auseinandersetzen, Sie hätten gerne Unterstützung?
Gerne kommen wir zu Ihnen in Ihre Schule, Ihren Kindergarten, Ihre Einrichtung und bilden Ihr Team, Ihr Kollegium zu diesen Themen fort.

Wir hoffen, dass Sie ähnlich wie wir in unserer Arbeit erleben können, wie viel Spaß Präventionsarbeit mit Mädchen und Jungen machen kann.

Konkrete und praktische Anregungen mit Unterrichtsmaterialien finden Sie in unseren ausführlichen Arbeitsmaterialien („Komm Paula, trau Dich!“), die Sie bei uns in der Beratungsstelle bestellen können.