Was helfen kann ...

Die Reaktionen auf eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung sind vielfältig und von Frau zu Frau verschieden. Es gibt nicht die Standardreaktion oder eine Richtige. Ob Sie wie gelähmt sind oder äußerlich relativ ruhig und gefasst wirken, ob Sie völlig durcheinander sind, weinen, ob Sie wütend sind oder traurig, jede Ihrer Verhaltensweisen ist angemessen in Anbetracht dieser Gewalterfahrung. Nichts und niemand kann Ihnen vorschreiben, wie Sie sich fühlen müssen und nach welcher Zeit Sie doch endlich wieder „normal“ sein müssten.

Ein erster hilfreicher Schritt bei der Bewältigung des Erlebten ist für viele Frauen und Mädchen, nicht mit ihren Gefühlen und Gedanken alleine zu bleiben, sondern sich Unterstützung zu suchen. Eine Möglichkeit kann es sein, bei einer guten Freundin oder einer anderen Vertrauensperson über all das zu reden, was passiert ist, welche Fragen Sie quälen und wie Sie sich fühlen. Ein anderer bzw. zusätzlicher Weg ist es, sich an eine Frauen- und Mädchenberatungsstelle zu wenden. Dort werden Sie unterstützt, bleiben mit Ihren Gefühlen nicht alleine, erhalten Informationen und finden ein offenes Ohr für all Ihre Fragen.

Was wichtig ist …

Unabhängig davon, ob Sie Anzeige erstatten möchten oder nicht, sollten Sie nach der Tat möglichst innerhalb von 24 Stunden eine Frauenärztin oder den Notdienst eines Krankenhauses aufsuchen.
Wahrscheinlich möchten Sie sich nach der Vergewaltigung, sexuellen Nötigung am liebsten verkriechen, sich „den Dreck“ abwaschen und mit niemandem über das Erlebte sprechen. Es ist jedoch wichtig, sich so schnell wie möglich untersuchen zu lassen, um eventuelle Verletzungen umgehend behandeln zu können, Schmerzen zu lindern sowie Klärungs- und Präventionsmaßnahmen hinsichtlich möglicher Infizierungen mit Krankheiten einzuleiten.

Vielleicht ist es hilfreich für Sie, sich in dieser Situation von einer Freundin oder anderen Vertrauensperson unterstützen und begleiten zu lassen.

Auch wenn Sie sich momentan nicht zu einer Strafanzeige entschließen, sollten Sie dennoch nicht auf die Sicherung von Beweismitteln verzichten, die sich nur innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Tat nachweisen lassen. Im Falle eines Strafverfahrens sind diese Befunde ausschlaggebend für die Überführung des Täters bzw. Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche. Vielleicht möchten Sie ja zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten. Das ist nämlich noch bis zu 20 Jahre nach der Tat möglich.

Für den Fall, dass Sie noch nicht entscheiden können oder mögen, ob Sie Anzeige erstatten, ist es empfehlenswert, über das Projekt „Pro Beweis" kostenfrei und anonym Spuren zu sichern, um gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück zu greifen. Diese Möglichkeit setzt nicht automatisch eine Strafanzeige in Gang.

Obwohl es Ihnen vielleicht sehr unangenehm ist und schwer fällt: waschen und duschen Sie sich nicht vor der Untersuchung. Bewahren Sie alle getragenen Kleidungsstücke und alles, was Sie am Körper getragen haben auf und reinigen Sie Ihre Kleidung nicht.

Bei der ärztlichen Untersuchung lassen Sie sich die einzelnen Untersuchungsschritte von der Ärztin erklären und alle Befunde schriftlich attestieren. Die behandelnden Ärztinnen unterliegen der Schweigepflicht, können also gegen Ihren Willen keine Informationen oder Daten weitergeben.