„So etwas kommt bei uns nicht vor …“ – Von der Notwendigkeit gesellschaftspolitischer Öffentlichkeitsarbeit

 

Die jahrhundertealte Tabuisierung zeigt ihre Wirkung: Auch heute noch ist es schwer über sexuelle Gewalt zu sprechen. Die Diskrepanz zwischen der Realität sexueller Gewalt und den in unserer Gesellschaft verbreiteten Vorstellungen darüber ist nach wie vor groß. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen seit Jahren, dass ein enger Zusammenhang besteht zwischen den Rechten von Frauen und Männern auf der einen Seite und der Einstellung zu sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen auf der anderen Seite.
Das bedeutet, dass die sich hartnäckig haltenden Klischees und Mythen die Bewertung sexueller Gewalt und den Umgang mit betroffenen Mädchen und Frauen beeinflussen. Sexuelle Gewalt wird auch heute noch verleugnet, verdrängt, bagatellisiert und individualisiert, Täter- und Opferrolle werden zugunsten der Täter verkehrt. „Solche Männer sind pervers, krank, gestört…“ Damit wird verleugnet, dass die Täter ganz „normale“ Männer jeder Altersgruppe und sozialen Schicht sind. „Ich kenne niemanden, der so etwas tun würde“. So wird die Häufigkeit und das Vorkommen sexueller Gewalt überhaupt verdrängt.

Die Konsequenz der hartnäckigen Aktualität der Mythen ist: Die Glaubwürdigkeit von Mädchen und Frauen wird angezweifelt, sie werden als Lügnerinnen dargestellt oder als besonders phantasievoll. Es erfolgen Schuldzuweisungen an Mädchen und Frauen, sie haben Verführungsabsichten gehabt, denen die Täter hilflos ausgeliefert waren.

Sexuelle Gewalt ist mehr als ein individuelles Vergehen eines Mannes an einem Mädchen oder einer Frau. Sie ist vielmehr gesellschaftlich verankert und spiegelt das ungleiche Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen auf der einen Seite und Kindern und Erwachsenen auf der anderen Seite wider. Folglich kann sexuelle Gewalt nur über die Veränderung gesellschaftlicher Machtverhältnisse reduziert werden. Eine solche Veränderung kann weder von Einzelnen geleistet werden noch gesetzlich angeordnet werden. Sie muss sich auf einer breiten gesellschaftlichen Basis entwickeln.

Daher verfolgen wir mit unserer gesellschaftspolitischen Öffentlichkeitsarbeit das Ziel, diese breite Basis zu erreichen, indem wir versuchen>
  • sexuelle Gewalt sichtbar zu machen
  • die Öffentlichkeit aufzuklären
  • über sexuelle Gewalt zu informieren und
  • Vorurteile abzubauen.
In Form von Veranstaltungsreihen oder auch Einzelveranstaltungen greifen wir gezielt verschiedene Aspekte sexueller Gewalt auf, um sie in die öffentliche Diskussion zu bringen, aktuelle Informationen zu transportieren oder auch Aufklärung für bestimmte Zielgruppen zu ermöglichen. Dies können z. B. fachspezifische Ausstellungen, Theaterveranstaltungen, Lesungen, Filmvorführungen sein.

In Vorträgen, Fortbildungen und Informationsveranstaltungen für verschiedene Berufsgruppen (LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, TherapeutInnen etc.) und mit Vorträgen und Elternabenden in Institutionen vermitteln wir unser Fachwissen